
„Nelly Schmücking analysiert in ihren Tierplastiken anatomische und verhaltenstypische Eigenschaften von Tieren. Ihre Darstellungen fragmentieren die Körper, die mit künstlich wirkenden Materialien bewusst verfremdet sind und dennoch deutlich erkennbar und lebendig wirken. Die Künstlerin überträgt die philosophische Körper-Geist-
Problematik auf das Tier als denkendes und fühlendes Wesen.“
[…] In ihrer Unterschiedlichkeit sind die Plastiken „Annäherungen an das Wesenhafte […], wobei dieses im Zentrum des künstlerischen Interesses steht, frei von Bedeutungen, Symbolen, Mythen und anderen Inhalten.“
Katalog zur Ausstellung „Vom Krafttier zum Angsstier? Kulturgeschichte des Wolfes“ 2024
Schloßmuseum Linz, OÖ Landes-Kultur GmbH, Kuratiert von Mona Horncastle, Herausgeber: Dr. Alfred Weidinger
Den Umstieg von der Wissenschaft zur Kunst hat Nelly Schmücking intensiv und mit ganzer Konsequenz vollzogen. Dazu gehört die Aneignung diverser Arbeitstechniken, denen sogar im 21. Jahrhundert noch der Stallgeruch der Männlichkeit anhaftet. Stahlbearbeitung, Schweißen, Kunststoffe thermisch verformen, Holz mit der Kettensäge bearbeiten. Die heute von ihr bevorzugten Materialien sind auf Dauerhaftigkeit ausgelegt so wie Gauls Bronzegüsse. Bei aller Fragmentierung und Verknappung handelt es sich keinesfalls um Etüden.
[…] Nelly Schmückings Tiere werden zunehmend zur Metapher ihrer selbst. Sie lässt immer mehr Details weg. Fast sind es schon Hieroglyphen in dreidimensionaler Ausbildung. Zeichen, die man lesen kann, aber keine Abbildungen mehr. Das Bemerkenswerte an diesem Reduktionsprozess ist, dass man das Typische der jeweiligen Art besser zu erkennen meint. Es ist kein Naturkundeunterricht, sondern eine Lektion in verstehendem Lesen.“
Dr. Jens Kassner, Text zur Ausstellung „Nelly Schmücking – Meta Physis – Eine Begegnung mit August Gaul“, Museum der Bildenden Künste Leipzig, 2019